Diese Woche lief bekanntlich nicht viel auf dem Blog, schon dreimal nicht was Borussia angeht. Dabei hab ich mir am Dienstag das Spiel gegen Roßbach angetan. Doch viel zu berichten gibt es davon nicht. Es war kalt, es war naß und es war unfassbar deprimierend. 150 Zuschauer (höchstens) wollten sich das Spiel um die goldene Ananas antun. Viel zusehen gab es dabei nicht. Die ersten zehn Minuten sah die Partie recht ausgeglichen aus, danach dominierte Borussia das Geschehen. Wen wunderts wenn man nach ein paar Stunden Arbeit, nachmittags um halb drei in den Bus steigt 200km Richtung Süden fährt und weiß, das es nicht mehr als ein Freundschaftsspiel ist. Von dem man auch erst spät in der Nacht wieder nach Hause kommen wird, um am morgen danach wieder arbeiten zu gehen. Englische Wochen zu solch einem Zeitpunkt in der Saison sind alles andere als Werbung für den Oberligafussball.
Warum konnte man den Spieltag nicht auf den Samstag verlegen. Dann wäre zwar die Saison eine Woche länger, aber in der fussballlosen Zeit würde die Oberliga so mehr ins Blickfeld rücken.
Ist ja nur so ein Gedanke…zurück zum Spielgeschehen. Kurz vor der Halbzeit nutzte Dennis Siga eine der vielen klaren Möglichkeiten für Borussia an diesem Abend zum verdienten 1:0. In der zweiten Hälfte sollte sich am Gesamtbild nicht viel ändern. Borussia zeigte teils schönen Fussball, erspielte sich eine Chance nach der anderen, aber fehlende Konzentration sollte keine weiteren Treffer folgen lassen. Deniz Siga scheint im Saisonendspurt wieder zu alter Stärke zurückzufinden. Ob es am Abgang von Haijadarovic liegt? Als Stürmer Nummer eins kann er jetzt wieder das tun was er am besten kann, stürmen und Tore schießen. Vorbei die Zeit als er auch schonmal rechts aussen aushelfen musste. An seinem Engagement kann es nicht gelegen haben das die Trainer auf Andere setzten. Ober er nächste Saison noch seinen Kampfgeist und Teamspirit im Borussentrikot zeigen wird scheint momentan sehr fraglich. Trotz laufendem Vertrag gab es am Dienstag Spekulationen um einen Vereinswechsel, dasselbe gilt für David Becker.
Sportlich würde man damit zwei weitere Baustellen im Kader für die kommende Saison bekommen. Mit Becker würde ein defensiv vielseitig einsetzbarer Spieler aus dem Kader fallen. Der auch am Dienstag wieder eine starke Vorstellung ablieferte. Defensiv stand er immer richtig, rückte gekonnt ein, machte Räume dicht und zeigte sein gewohnt starkes Zweikampfverhalten. Dabei kommt er mittlerweile mit wenig Fouls aus. Auch offensiv sah man eine Entwicklung. Er wird öfter mal von seinen Kollegen als Anspielstation gesucht, sein Kopfballspiel wird immer überzeugender und als einer der wenigen Spieler sucht er auch mal den Schuß aus der zweiten Reihe. Da wundert man sich schon warum man solch ein talentiertes “Eigengewächs” nur mit einem Einjahresvertrag ausstattete.
Mit dem Abgang von Siga ist der Sturm mehr oder weniger nicht mehr vorhanden. Keiner der sogenannten Perspektivspieler hinten dran konnte sich aufdrängen. Ebenfalls nicht besetzt ist die Position im Tor. Die Verträge aller drei Torhüter laufen zum Saisonende aus. Boric scheint den Verein nach einem halben Jahr wieder verlassen zu wollen. Sebastian Grub hat sich sportlich spätestens nach dem “Tor des Jahres” bei der Zweiten im Spiel gegen Limbach selbst aufs Abstellgleis gestellt. Bleibt der Dritte im Bunde Thomas Wiener. Der Mainzer hatte in den bald zurückliegenden zwei Spielzeiten mit reichlich Verletzungspech zu kämpfen. Mittlerweile ist er wieder fit und zeigte am Dienstag einmal mehr warum er trotz seiner bloß bisher 25 Spiele im Borussentrikot immer wieder als Nummer eins aus der Saison geht. Mit Thomas Wiener würde ein Spieler gehen der die letzten dürftigen Jahre alle miterlebt hat. Wiener gehört seit 2009 zur Mannschaft.
Interessant am Rande Phillip Galle im Sommer von Paul Linz aus der Trierer A-Jugend mitgebracht für die Zweite, kam am Dienstag zu einem Kurzeinsatz.
morgen in Köllerbach
Heute muß Borussia bei den abstiegsbedrohten Köllerbachern antreten. Für die Sportfreunde geht es nach dem Abrutschen auf einen Abstiegsplatz um den Ligaerhalt. Entsprechend kann man sich auf motivierte Gastgeber einstellen, die mit allen Mitteln zum Sieg kommen wollen. Stammtorwart Flauss wird allerdings nach seiner roten Karte in Gonsenheim fehlen. Für ihn wird Tobias Karrenbauer spielen, wer bei dem Namen jetzt an die Ministerpräsidentin denkt liegt nicht verkehrt, es ist ihr Sohn. Sechs Spiele in Folge konnte Köllerbach jetzt nicht gewinnen, nur zwei von möglichen 18 Punkten wurden geholt. Selbst ein schneller 2:0 Vorsprung wie letzte Woche in Gonsenheim schaffte man nicht über die Runden zu bringen. Wenn gleich der Ausgleich unfassbar bitter war. Bei 2:1 Führung spielte man den Ball ins Aus, statt das Gonsenheim nun den Einwurf zurückspielt, machen sie daraus das 2:2. Danach brannten Nicolas Delahaye und Sebastian Flauss die Sicherungen durch, beide flogen vom Platz.
Für Borussia gehts um nicht mehr viel, dennoch wird man sich sicherlich nicht dem Vorwurf aussetzen wollen Nachbarschaftshilfe geleistet zu haben, zumal die letztjährige Pleite mit einem 5:2 recht deftig ausfiel. Die Statistik spricht gegen einen Auswärtssieg, den letzten und einzigen gab es 2007, das einzige unentschieden im Jahr darauf. Die Aussichten stehen eher also eher schlecht…
Für die, die sich das nicht antun wollen ein Programmhinweis: Im MDR gibt es morgen mittag das Aufstiegsendspiel Hallescher FC gegen RB Leipzig. Halle braucht einen Sieg für den Aufstieg, ausgerechnet gegen RB. Die finanziell an keine Grenzen gebundenen Messestädter verspielten in den letzten Wochen den fest eingeplanten Titel. Somit heißt es für Peter Pacult und sein Starensemble um dem österreichischen Nationalspieler Roman Wallner, den man extra in der Winterpause vom anderen Firmenverein RB Salzburg schickte, ein weiteres Jahr in Liga 4 zu verweilen.
In Halle setzt man dagegen auf langfristige Planung und Kontinuität. Doch morgen treffen zwei Trainer aufeinander die sich aus dem Eff, Eff kennen. Sven Köhler war zu Beginn seiner Trainerkarriere Co-Trainer unter Peter Pacult in Dresden. Seit 2007 ist Sven Köhler Trainer in Halle. Sportlich hat er den Verein wieder in die Regionalliga geführt und Schritt für Schritt dabei seine Mannschaft geformt. Halle steht sehr kompakt, die Defensive ist der Garant. Man legt kein Wert auf Ballbesitz, sondern auf schnelle überfallartige Angriffe. Dabei ist die Mannschaft in der Regel brutal effektiv. Ergebniss aus der richtigen Mischung von alten Erfahrenen und jungen aufstrebenden Talenten wie z.B. Andis Shala. Sein Vater Kujtim Shala spielte einst in Düsseldorf Bundesliga. Wie er spielt auch sein Sohn die kreative Schaltzentrale. Sowohl Mannschaft als auch Trainer sind ein eingespieltes Team. Ich merke schon ich könnte euch noch ne ganze Menge über Halle erzählen z.B. wie die Stadt den Verein mit einem neuen Stadion an alter Wirkungsstätte unterstützt und wie man jetzt eine Fussballeuphorie in Halle auslöste. Darüber welch tristen Zeiten dieser Club hinter sich hat. Zu Wendezeiten qualifizierte man sich zur 2.Bundesliga die damals noch zweigeteilt war und mit Auf und Abstiegsrunde versehen. Dieses Modell hat sich aber schnell als unbrauchbar erwiesen. Halle stieg damals sofort ab, der Sinkflug sollte ungebremst bis in die damalige 5.Liga führen. Man war einer der letzten Europacupteilnehmer der DDR und drohte zu verschwinden wie so viele Traditionsvereine aus dieser Zeit. Wer kennt schon Wismut Gera, Vorwärts Frankfurt oder Motor Suhl, die Liste könnte man ewig fortsetzen.
Ein weiterer brisanter Punkt an dem Spiel ist die Fanszene des HFC. Sie bezieht eindeutig Stellung gegen das Modell RB Leipzig und pflegt schon eine 20jährige Fanfreundschaft zum Ortsrivalen von RB, dem 1.FC Lok Leipzig. Für Brisanz sorgt neben dem möglichen Aufstieg der eigenen Mannschaft, das eben auch die Freunde von Lok an diesem Wochenende den Aufstieg schaffen könnten. Dann wäre Halle ab sofort Drittligist und RB Leipzig muß mit noch mehr Freikarten ködern um nicht im Wochenrhytmus vorgeführt zu bekommen was der Unterschied zu einem Traditionsverein ist.
Jede Wette das man bei beiden Spielen einen Platzsturm nach Spielende sehen wird, mit Bengalos…so werden Aufstige nämlich nicht erst seit Dienstag gefeiert…man sollte sich vielleicht mal wieder die Bilder aus Schwarz/Weiss Tagen in Erinnerung rufen und nicht jedem Medienhype vor einer Fussball EM für ernst nehmen. Passend dazu ein Artikel auf publikative.org
So jetzt wäre die Woche doch noch abgearbeitet…